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1890 begann
das Informationszeitalter. Bei der elften Volkszählung in den
USA wurden erstmals Lochkartenmaschinen eingesetzt. Den funktionsfähigen
Nachbau einer sogenannten Hollerithmaschine präsentierte das
Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) in Paderborn am Donnerstag der
Öffentlichkeit.
Die Maschine
besteht aus mehreren einzelnen Elementen: einem Pantographenlocher,
der Tabelliermaschine mit Kontaktpresse und Zähluhren sowie
einem Sortierkasten. Etwa ein dreiviertel Jahr hat der HNF-Restaurator
Bernhard Fromme an der Rekonstruktion gearbeitet. Der Holzkorpus
stammt aus dem Archiv von IBM in den USA, das Innenleben und sämtliche
Funktionsteile hat Fromme in der Werkstatt des HNF gefertigt. Fachliche
Unterstützung erhielt er dabei von Prof. Bernhard Korte und
Ullrich Wolff vom Bonner Rechenmaschinenmuseum Arithmeum.
Bis auf Normteile
wie Schrauben und Federn wurden alle Bauelemente neu gefertigt.
Besonders hohen Aufwand erforderte das Fertigen von Spulen, Relais
und der Zähluhren einschließlich der Zifferblätter.
Der Korpus des Lochers wurde von Wincor Nixdorf hergestellt.
Die Bedienung
der Maschine war und ist nicht besonders schwierig. Die Lochkarten
werden mithilfe des Pantographenlochers gestanzt. Bei der Volkszählung
1890 wurden beispielsweise Angaben über Geschlecht, Alter,
Beruf, Herkunft, Religion und Wohnort der Bürger entsprechend
den Angaben auf dem Erfassungsbogen der Volkszähler auf den
Karten erfasst.
Die codierten
Karten werden auf die Kontaktpresse gelegt, die zum Einlesen der
Daten dient. Beim Herunterdrücken des Hebels senken sich kleine
Metallstifte auf die Karte. Die Stifte stießen durch die Löcher
in ein Quecksilberbad, das heute durch elektrische Kontakte ersetzt
ist, und schließen damit einen Stromkreis, wodurch das zugehörige
Zählwerk um eine Position weitergedreht wird. Die Karte wird
anschließend in das entsprechende Fach der Sortiermaschine
eingelegt, das sich automatisch öffnet. Mithilfe dieses Verfahrens
war es möglich, die statistische Auswertung der Volkszählung
1890 innerhalb von vier Monaten abzuschließen, zuvor waren
sieben Jahre notwendig. 43 Hollerithmaschinen werteten 62 Millionen
Lochkarten aus.
Den Namen haben
die Maschinen von ihrem Erfinder Herman Hollerith (1860-1929). Der
Sohn deutscher Einwanderer arbeitete nach seinem Ingenieurstudium
in der US-Censusbehörde und entwickelte in den 1880er Jahren
das nach ihm benannte erste Verfahren einer maschinellen Datenverarbeitung
mithilfe von Lochkarten. Nach dem Erfolg bei der Volkszählung
in den USA erhielt er weitere Aufträge unter anderem aus Russland
und Österreich. Aus der von ihm gegründeten "Tabulating
Machine Company" ging 1924 IBM hervor.
Weltweit existiert
nur noch eine Handvoll Original-Hollerithmaschinen, so in den USA,
Paris, Oslo und Moskau, von denen keine in Funktion ist. Die einzigen
weiteren funktionsfähigen Maschine stehen als Nachbauten im
Bonner Arithmeum und bei IBM in Sindelfingen.
Die Hollerithmaschine
des Heinz Nixdorf MuseumsForums ist im Foyer des größten
Computermuseums der Welt kostenlos zu sehen. Ergänzt wird die
Präsentation um ausgewählte Exponate und Informationen
zur Geschichte der Lochkartentechnik. Ab Oktober wird die Hollerithmaschine
ihren Platz in der Galerie der Pioniere im Kabinett ihres Erfinders
einnehmen.
Das HNF ist
dienstags bis freitags von 9.00 bis 18.00 und am Wochenende von
10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.
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